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Hessenkolleg vergibt Abitur- und Fachhochschulreifezeugnisse

(Be) „Wir werden gemeinsam diese Schule verlassen!“ – mit diesen Worten leitete die in den Ruhestand tretende Schulleiterin Verena Hohoff am vergangenen Freitag ihre Verabschiedungsrede für die 13 Absolventinnen und Absolventen des Lehrgangs 56 ein. Neun Studierende erhielten im festlich geschmückten Mehrzweckraum des Hessenkollegs Wetzlar ihre Abiturzeugnisse der  allgemeinen Hochschulreife, vier freuten sich über die bestandene Fachholschulreife.

„Am Ende eines Lebensabschnitts lohnt es sich zurück, aber auch nach vorne zu schauen.“ Verena Hohoff, die die Abiturienten im Fach Biologie unterrichtet hatte, erinnerte an die aus dem Lehrplan bekannte Kosten-Nutzen-Analyse: „Sie haben einen Abschluss erworben, mit dem Sie nun Ihre weitere Zukunft gestalten können. Auf Ihrem Zeugnis stehen nur viele Zahlen. Sie aber wissen, wieviel Sie dieser Notendurschnitt gekostet hat.“ Dabei rief sie nicht nur den Prüfungsstress In Erinnerung, absolvierte Klausuren und Referate, sondern auch an das tägliche Aufstehen und Anreisen, Mitschreiben und Mitdenken, gelegentliche Frustration und Genugtuung. Und dazu kämen in der Erwachsenenbildung eben oft auch Kinderbetreuung und Organisation von Familien. „Oder auf den Punkt gebracht: unfassbar viel Energie!“

„Sie sind jetzt ein mehr gebildeter Mensch als vor Ihrer Entscheidung, ans Hessenkolleg zu gehen, um auf dem zweiten Bildungsweg einen höheren Schulabschluss zu erlangen. Aber Sie haben nicht nur Fachwissen erworben.“ In diesem Zusammenhang dankte Hohoff ausdrücklich auch dem Lehrpersonal sowie Studienleiter Lars Wirth und Patrick Löffler, dem stellvertretenden Schulleiter. „Bildung ist ein lebenslanger Prozess zur Ausbildung der eigenen Persönlichkeit.“ Dabei gelte es nicht nur Faktenwissen zu sammeln, sondern Fähigkeiten herauszubilden, die Welt etwas besser zu verstehen, kritisch zu denken und das eigene Leben letztlich verantwortungsvoll zu gestalten. „Ich wünsche Ihnen, dass Sie das finden, was zu Ihnen passt und sie glücklich macht. Denn das müssen Sie ja dann vielleicht sehr lange machen – unterrichten zum Beispiel – so wie ich die letzten 35 Jahre.“

Für den Förderkreis gratulierte der Vorsitzende Laurino Schepp, Bad Endbacher und selbst Absolvent des Hessenkollegs und jetzt Medizinstudent im fünften Semester. Er betonte in seiner Rede auch die Schule als Stabilitätsanker, die persönlich erfahrene Prägung durch Klassenkameraden und Kollegen. Mit den Worten „Das Kolleg war ein Stück Heimat für mich!“, warb er für das solidarische Miteinander und die Mitgliedschaft im Förderkreis und wünschte die Abiturienten besonders „Gelassenheit bei Umwegen“, denn auch an der Uni laufe nicht alles nach Plan.

Bevor die begehrten Zeugnisse überreicht wurden, bekam jede(r) der Abiturienten zudem eine Lebensweisheit mit auf den Weg und die Gelegenheit zu sagen, was jetzt auf ihn oder sie warte. Erinnerungsfotos wurden gemacht, bevor auf das Wohl angestoßen wurde und der Schultag bei einem Gläschen Sekt und Häppchen ausklang.      

Die Studierenden des Hessenkollegs erreichten dieses Semester eine Abiturdurchschnittsnote von 2,4, wobei Joel Bordeaux aus Linden das beste Abitur und den Traumschnitt von 1,0 erzielte. „Auf mich wartet jetzt wohl die Humanmedizin, ob in Gießen oder Heidelberg!“ Auch an die Uni wollen Alicia Hoffmann (1,8), Geowissenschaften, und die aus der Ukraine stammende Maryna Kruhlova (2,3), die sich für das Lehramt interessiert. Die aus Afghanistan stammende Zohal Fazli (2,3) freute sich wie die Syrerin Malak Al Masalma (2,9) und die aus dem Irak stammende Dimah Al Tammo (3,1) über die allgemeine Hochschulreife, hatte ihnen die deutsche Sprache mit ihren vielen Flexionsendungen doch besondere Herausforderungen beschert. Die gebürtigen Gießener Niklas Achenbach (2,5), der  erstmal in Schweden Erholung sucht, und Adam Eschler (3,0), „voraussichtlich Sportwissenschaften“, waren ebenso glücklich wie Lasse Rolke (2,9), der einen Ausbildungsplatz als Goldschmied sicher hat. Nicht zu vergessen unsere Fachabiturienten Rana Mahbubi, Celina Schnepf, Selina Völk sowie Milad Jamshidi, der gebürtig aus dem Iran stammt. Es ist zu hoffen, dass die Tür zur Zukunft jetzt für alle ein bischen weiter offensteht.

Text: Frank Becker, Foto: Stepahnie Behrendt