Ausstellungseröffnung

 

Herr Lauinger (rechts) im Gespräch mit Gästen

 

Ausstellung im Hessenkolleg

 

Herr Starzacher

Frau Streubel- Piepkorn

Frau Vasil

Wie Fakten Schicksale verbergen

Das Grauen hat viele Gesichter. Und es ist am erschreckendsten, wenn es sich faktisch steril gibt. Etwa während der Wannseekonferenz 1942, als die Endlösung der europäischen Judenfrage organisiert wurde. Doch der persönlichen Vernichtung der Menschen ging die materielle voraus, wie die Ausstellung "Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933 - 1945" zeigt. Sie ist als Wanderausstellung des Fritz-Bauer-Instituts und des Hessischen Rundfunks, um einen lokalen Aspekt ergänzt, bis 13. Oktober im Wetzlarer Hessenkolleg (Brühlsbachstraße) zu sehen.

Etwa 140 Gäste kamen am Mittwoch zur Eröffnung in die Alte Aula Obertorstraße. Unter ihnen Wolfgang Lauinger, Sohn eines Opfers (Artur Lauinger), dessen Schicksal auch beleuchtet wird. Der 1. September ist ein Tag der Erinnerung, denn am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, sagte Christel Streubel-Piepkorn (Leiterin des Hessenkollegs), ein rassistischer Krieg, der letztlich das Todesurteil bedeutete für Europas Juden. Der "legalen" Ausgrenzung folgten Enteignung, Deportation, Vernichtung, ermöglicht durch den immer und überall präsenten Rassegedanken, was letztlich dazu führte, dass Nachbarn von der Versteigerung jüdischer Haushalte profitierten. Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) erachtete es als immer neue Aufgabe, Geschichte erfahrbar zu machen, Vergangenheit aufzuarbeiten, um dies als Basis zu nutzen für heutiges Handeln. Die Ausstellung zeige, was hinter abstrakten Gesetzen stehe und welche Folgen missbräuchliche gesetzliche Autorität haben könne. Landrat Dr. Karl Ihmels (SPD) erkannte, dass trotz aller Aufarbeitung der NS-Zeit die inhaltliche Auseinandersetzung noch nicht abgeschlossen sei, denn noch sei Antisemitismus verbreitet. ........... .......Ihmels plädiert dafür, aus dem Wechselverhältnis zwischen Geschichte und aktueller Selbsteinschätzung ein vernünftiges Gemeinwesen zu entwickeln für ein gutes Miteinander aller. Dr. Thomas Wurzel (Geschäftsführer Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen) ging auf die gesetzlichen Grundlagen der Ausgrenzung von Juden seit Januar 1933 ein und erläuterte, wie Fakten und Zahlen Menschenschicksale verbergen, welche Auswirkungen ein "unspektakuläres" Handeln wie die juristische Ausplünderung der Juden haben kann, wenn es eine hörige Obrigkeit und willige Helfer gibt: "Viele Mitläufer ergeben eine Mittäterschaft". Karl Starzacher, hessischer Finanzminister a. D., hatte sich 1998 des Themas und der Akten angenommen, und ist eine Art Geburtshelfer dieser Ausstellung. Er erinnerte an die Suche nach den Akten der Reichsfinanzverwaltung. Ziele waren zum einen die Aufarbeitung dieses fiskalischen Aspektes des Holocaust. Zum anderen sollte durch die Aufarbeitung wiederum verhindert werden, dass das Steuergeheimnis einer Wiedergutmachung entgegensteht. Die Dokumente belegen, so Starzacher, dass Vertreibung und Ausplünderung viele Helfer brauchte und hatte, dass Nachbarn, Speditionen, Auktionshäuser sich um das Hab und Gut bemühten. Und es sei bedrückend zu erkennen, dass niemand fragte, warum Juden, die doch angeblich nur nach Theresienstadt umsiedeln sollten, keine Wäsche, keine Möbel mehr brauchten. Erschreckend sei auch die "Kontinuität der Verwaltung": Beamte, die aktiv an der Versteigerung jüdischen Eigentums teilnahmen, entschieden später über eine Wiedergutmachung . . . Starzacher wünschte sich, dass die Ausstellung Betroffenheit auslöst und dass diese Betroffenheit zu einem offenen und ehrlichen Umgang mit der Geschichte führt und zwar in allen Generationen.
Betroffenheit erzielte abschließend Marion Vasil. Sie las Texte aus der Ausstellung; mal persönlich gefärbt wie das Schreiben der Meta Kessler, mal bürokratisch-sachlich wie der Bericht des Steuersekretärs Schäfer über die Versteigerung des Eigentums der Familie Grünbaum.

Auszug aus einem Artikel der WNZ von Gert Heiland

 
   
 
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