Ein Schmankerl zum Herbstferienbeginn: poetry slam Darbietungen für die Studierenden der Vorkurse und der Einführungsphase |
Ein Geschenk der besonderen Art für seine Kommilitoninnen und Kommilitonen hatte sich am letzten Schultag vor den Ferien Stefan Dörsing, Kollegiat im Lehrgang 41 und passionierter Sprachjongleur der Marke „poetry slam“ einfallen lassen. In Absprache mit der Schulleitung und den Deutsch-Lehrkräften wurden unter dem Motto „Allen Earnstyzz“ für eine kurzweilige Stunde Einblicke in die phantastischen Möglichkeiten der „Slam-Kunst“ gewährt. Unterstützung auf der Bühne des Mehrzweckraumes hatte sich Stefan Dörsing mit Tommy Tesfu (Marburg) und mit Julian Heun (Berlin) gesichert. Eher wortkarg blieb Plüsch-Gorilla „Scott-Horst“ („Er ist leider noch von gestern Abend verkatert!“), der vierte Akteur im Poetry-Quartett. Julians Entrée reflektierte das Spannungsfeld „Liebe/Triebe“ - mal auf derbe Art, mal philosophisch-hintersinnig. Unter dem Leitmotto „Jeder ist sein eigener Freak“ bzw. „Normal ist relativ“ gab Stefan Dörsing Einblicke in sich auflösende soziale Milieus und Gewohnheiten. Ein rasch aufziehendes „Stimmungstief“ im Publikum prophezeite Tommy Desfu in Folge seiner Betrachtungen zum ‚schwarzen Kontinent’ Afrika: „Denk doch mal an die Kinder in Afrika!“, ruft Europa aus – und erntet die skeptische Nachfrage „Was weißt du von Kinder-bäuchen, …von Bräuchen?“ sowie die ahnungsvolle Verwünschung „Fürchte dich, Europa, fürchte dich vorm Schwarzen Mann!“. Für den vor ihm auf der Couch liegenden alten Kontinent hält Dr. Tesfu die Diagnose bereit: „In deinen schlimmsten Albträumen bist du selbst ein Neger, Europa!“. Und Tröstliches: „Europa, du kannst nichts Darfur!“ Und bald ist ja wieder Weihnachten: „Schenken Sie zum Fest der Liebe Care-Pakete mit Negerkindern!“ Ganz im Sinne des schulischen Bildungsauftrages appellierten Stefan Dörsing und Tommy Desfu an ihr Publikum: „Du darfst nicht dieses Fertiggedankengut vom Forum kaufen!“ und beklagten Diebstahl am geistigen Eigentum: „Der Neffe meiner Nichte spielt mit meinen Gedanken.“ Julian Heun wandte sich an die Versammlung: „Der nächste Beitrag ist neu, ich werde ihn an euch ausprobieren! Und ihr könnt nichts dagegen tun!“ In abschließenden Plädoyers gab es praktische Tipps zur Lebensführung. Spießige Ordnungsfanatiker („Wir essen Buchstaben- Suppe nur in alphabetischer Reihenfolge“...) wurden vom Slamer-Trio souverän ins Abseits gestellt. Schließlich ist ihr Kunstverständnis tabulos, anarchisch und libertär. Und gut! - befand das Publikum. Anders als in normalen Schulstunden erwirkte es durch anhaltenden Applaus eine Verlängerung dieses Sprach- und Literaturunterrichtes der besonderen Art. Klaus Petri |