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"Legalisierter Raub - Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933 bis 1945" Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks im Hessenkolleg Wetzlar vom 1. September bis 14. Oktober 2004 |
Bericht von der Ausstellungseröffnung
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| Bericht über die Vortragsveranstaltung „Die gewaltsame Verschleppung der Juden aus Wetzlar und den Dörfern des Altkreises Wetzlar im Jahre 1942“ | ||
| Bericht über die Führung durch die v.Lemmers-Danforth’sche Sammlung | ||
| Bericht zu den Gesprächsrunden mit Frau Opfermann | ||
| Bericht über den Stadtrundgang mit Dr. S. Meinl zur Geschichte der Wetzlarer Juden 1933-45 | ||
Mit der fiskalischen Ausplünderung jüdischer Bürgerinnen und Bürger in der Nazizeit beschäftigt sich eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks (hr), die unter dem Titel „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933 - 1945“ im September und Oktober 2004 im Hessenkolleg in Wetzlar präsentiert wird. Anhand zahlreicher Dokumente, Fotografien und Exponate stellt sie die Geschichte des gesetzlich legalisierten Raubzuges und seiner Opfer sowie die zentrale Rolle des Fiskus in dem Geschehen dar. Die Ausstellung war bisher in Frankfurt am Main, Marburg, Gießen, Darmstadt, Fulda und Kassel zu sehen. Für die bevorstehende Präsentation in Wetzlar wird sie mit einem neuen, regionalen Schwerpunkt versehen. Die Ausstellung wird in Wetzlar am Mittwoch, 1. September 2004, eröffnet . Vom 2. September bis zum 13. Oktober kann sie von Montag bis Freitag in der Zeit von 8.30 bis 17 Uhr besichtigt werden. Sie wird von einem Veranstaltungsprogramm begleitet, das unter anderem einen Stadtrundgang zur Geschichte der fiskalischen Ausplünderung in Wetzlar, Vorträge und Workshops sowie eine begleitende Filmreihe im Rex-Kino Wetzlar vorsieht. Gefördert wurde die Ausstellung von der Hessischen Landesregierung und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Die Präsentation in Wetzlar wird unterstützt von der Sparkasse in Wetzlar, der Stadt Wetzlar, dem Lahn-Dill-Kreis, der Ernst-Ludwig Chambré Stiftung, dem Hessenkolleg Wetzlar sowie weiteren Organisationen und Partnern: Evangelischer Kirchenkreis Braunfels, Evangelischer Kirchenkreis Wetzlar, Finanzamt Dillenburg, Finanzamt Limburg - Weilburg, Finanzamt Wetzlar, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Gießen / Wetzlar, HELP (Regionalstelle Gießen- Vogelsberg ), HELP (Regionalstelle Lahn-Dill/Limburg-Weilburg), Historisches Archiv der Stadt Wetzlar, Katholisches Bezirksamt Wetzlar, Staatliches Schulamt für den Lahn-Dill- Kreis und Limburg/Weilburg, Stadt- und Industriemuseum Wetzlar, Volkshochschule Wetzlar, Wetzlarer Geschichtsverein e.V.
1998 wies das Hessische Finanzministerium die Finanzbehörden des Landes an, in ihren Aktenbeständen nach Unterlagen über die fiskalische Ausplünderung als Juden Verfolgter zu suchen. Die Übergabe der in Hessen aufgefundenen Dokumente an das Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden gab Anlass zu einem Dokumentations- und Forschungsprojekt, das vom Fritz Bauer Institut durchgeführt wurde. Die gesichteten Devisenakten, Steuerakten, Vermögenskontrollakten und Handakten jüdischer Rechtsanwälte belegen eindrücklich die fiskalische Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung Hessens im „Dritten Reich“. Die Akten zeigen, dass die sogenannte Arisierung jüdischer Unternehmen nur die „Spitze des Eisbergs“ gewesen ist: In enger Kooperation zogen unterschiedliche Dienststellen in Finanzbehörden, Zollfahndung und Devisenstellen gemeinsam mit der Gestapo und anderen Organisationen in gesetzlich legalisierten Aktionen Sparbücher, Devisenguthaben und Wertpapierdepots jüdischer Bürgerinnen und Bürger ein. Sie belegten ihre Opfer mit Sondersteuern und Strafkontributionen und versteigerten öffentlich das Hab und Gut der aus Deutschland Geflohenen oder Deportierten. Diese Ausplünderung war ein wichtiger Teil der Vernichtungsmaschinerie und zugleich Bestandteil der NS-Kriegswirtschaft. Das Forschungsprojekt des Fritz Bauer Instituts bildete die Grundlage für die gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk konzipierte und realisierte Ausstellung sowie den Film „Der große Raub“ (hr, 2002). Die Ausstellungstafeln beschäftigen sich mit den entsprechenden Gesetzen und Verordnungen sowie den entscheidenden Ereignissen („Reichskristallnacht“, „Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz 1941“). Sie stellen den Aufbau der Reichsfinanzverwaltung und die Verantwortlichen auf den unterschiedlichen bürokratischen Ebenen vor. Ein weiterer Block beschäftigt sich mit den kooperierenden Interessengruppen in Politik und Wirtschaft, aber auch mit dem „deutschen Volksgenossen“ als Profiteur. Schließlich wird nach der sogenannten Wiedergutmachung gefragt: Wie ging die Rückerstattung in Hessen vor sich, wie erfolgreich konnte sie angesichts der gesetzlichen Ausgangslage und der weitgehend ablehnenden Haltung der Bevölkerungsmehrheit sein? Weitere Recherchen der Ausstellungsmacher und des Filmteams beschäftigten sich mit den Lebensgeschichten der betroffenen Menschen, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen - etwa der Freundinnen Tilly Cahn und Gertrud Landsberg. Eine Hörstelle, Lesemappen und Filme ergänzen die Präsentation. |
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