Die Flagge der Europäischen Union prangte für einen Tag an
den Klassenräumen des Wetzlarer Hessenkollegs. Statt des normalen
Unterrichts gab es – ab 11:40 Uhr – zahlreiche Aktivitäten
im Rahmen eines „Europatages“.
Das musikalische Entree gestaltete Hessenkollegiat Michael Kübler
(Solms) mit einer Klavier-Interpretation der Europa-Hymne. Marion Vasil,
Beschäftigte der Wetzlarer Stadtbibliothek, las im Anschluss ein
georgisches Märchen vor. Schulleiterin Christel Streubel-Piepkorn
begrüßte die Anwesenden und hieß besonders eine 45-köpfige
Delegation vom Partnerkolleg in Ilmenau willkommen. Ihr Stellvertreter
Dr. Wilhelm Wöllert erwähnte in seiner Ansprache die gemeinsame
europäische Währung, europaweite Standards bei Hochschulabschlüssen
(Bachelor und Master), den gelungenen Jungfernflug des Airbus 380 sowie
die europaweit gültigen Feinstaub-Richtlinien als Beispiele für
eine fortschreitende europäische Integration. Gerade weil es vielfach
Vorbehalte gegen „Europa“ gebe, sei es die Aufgabe öffentlicher
Bildungseinrichtungen, hier informativ und aufklärerisch Einfluss
zu nehmen.
Dr. Wöllert verwies auf zahlreiche „Comenius“-Schulpartnerschaftsaktivitäten
in den vergangenen 6 Jahren und zitierte aus Grußadressen der
spanischen, schwedischen und rumänischen Partnerschulen des Hessenkollegs.
Nach Liedvorträgen der aus Griechenland stammenden Kollegiatin
Johanna Karafoulidis suchten die Studierenden verschiedene Gesprächskreise
auf, beteiligten sich an Quizrunden zu „Europa“ und „Thüringen“,
studierten Tango-Tänze ein oder sprachen türkischen Gebäck-Spezialitäten
zu, die ihre Kommilitonin Ninve Turgay zubereitet hatte. Im „Literaturcafé“
wurden literarische Texte mit Europa-Bezug in englischer, französischer
und deutscher Sprache vorgetragen.
Claude Allonas (65), seit 30 Jahren in Wetzlar lebender Franzose, verdeutlichte
den jungen Erwachsenen am Beispiel seiner Übersetzer-Tätigkeit
bei der Firma Leica die Bedeutung von Sprachkompetenz in einer globalisierten
Wirtschaft. Ali Karaaslan, Vorsitzender des Wetzlarer Ausländerbeirates,
gab in einer anderen Gesprächsrunde Auskunft über die Lebenswirklichkeit
der nichtdeutschen Bevölkerung und die auf Integration abzielenden
Aktivitäten des Ausländerbeirates.
Den Auftakt der Plenumsveranstaltung am Nachmittag bildete die Ansprache
des im Wetzlarer Magistrat für Städtepartnerschaften zuständigen
Dezernenten Karlheinz Kräuter. Der ließ die Ende der 50er
Jahre mit Avignon begonnenen Partnerschafts-aktivitäten Revue passieren
und verwies auf europaweit 6000 kommunale Städtepartnerschaften:
„Dass ein vereintes Europa heute weithin als Selbstverständlichkeit
erlebt wird, ist vor allem solchen Foren der Begegnung von Mensch zu
Mensch zu verdanken.“ Kräuter lobte das Hessenkolleg für
sein Europa-Engagement und gab – mit Blick auf hierzu in mehreren
Ländern demnächst anstehende Volksabstimmungen – seiner
Hoffnung Ausdruck, dass „die vorgesehene gesamteuropäische
Verfassung nicht "floppt’".In einer künftigen Phase
der europäischen Integration gelte es, Brücken zu den Städten
und Gemeinden Mittel-Osteuropas zu errichten.
Einen Quiz-Wettstreit zwischen Ilmenau-Kolleg und Hessenkolleg entschieden
die Thüringer Gäste knapp für sich. Dass die jungen Erwachsenen
aus Ilmenau mit der Frage nach dem „Jakobsweg“ nichts anzufangen
wussten, führten deren Lehrer auf „mangelnde religiöse
Prägungen“ im Osten Deutschlands zurück.
Den Abschluss des vielfältigen Programms zum Europatag bildeten
irische Folksongs, die eine 4-köpfige Gruppe um den Hessenkollegiaten
Ruben Seibert vortrug.
Klaus Petri