| Eine vorweihnachtliche Bescherung
gab es für 28 frisch gebackene Absolventinnen und Absolventen des
Wetzlarer Hessenkollegs. Während der Abiturfeier im Saalbau Niedergirmes
erhielten sie vor den zahlreich erschienenen Familienangehörigen
und Mitschülern aus der Hand von Schulleiterin Christel Streubel-Piepkorn
die Zeugnisse der Allgemeinen Hochschulreife. Ihr Lehrgang Nr. 33 startete
vor 3 Jahren mit 70 erwachsenen Schülern, 17 davon schieden bereits
vor einem Jahr mit der Fachhochschulreife aus. Eine Mitschülerin
hat in der Prüfungsphase einen kleinen Jungen entbunden und wird
erst im neuen Jahr ihre Reifeprüfung absolvieren: Das obligatorische
"Kolleg-Baby" gehört zur Tradition der meisten Abiturjahrgänge
am Wetzlarer Hessenkolleg.
Die Schulleiterin würdigte in einer Ansprache die Einrichtungen
des Zweiten Bildungsweges als positiv zu bewertende Besonderheit des
deutschen Bildungswesens und erinnerte rückblickend an die Mahnwachen
am Domplatz aus Anlass des 11. September 2001 und die Aktionen gegen
den Irak-Krieg, die maßgeblich von den heutigen Abiturienten initiiert
und durchgeführt wurden.Thomas Kühn, Vorsitzender des Förderkreises
Hessenkolleg und Lehrer an der Gesamtschule Braunfels, bestätigte
aus seiner beruflichen Praxis, dass "gymnasiale Talente" bei
Zehnjährigen oft noch unentdeckt schlummerten und es vernünftigerweise
einer zweiten Chance zur Erreichung eines höheren Bildungsabschlusses
bedarf. Daniel Sell, ein gelernter Landwirt aus dem Vogelsberg, hielt
die Abiturrede. Er freute sich darüber, dass niemand bei den Prüfungen
durchgefallen ist. Vor einem halben Jahr habe er die Parole ausgegeben:
"Wir lernen die Sommerferien über durch, bis wir alles können."
Einen Dank stattete er neben "Vater Staat" und den Lehrkräften
auch der Wetzlarer Stadtbibliothek ab, mit deren Möglichkeiten
Versäumtes habe nachgeholt werden können. Zu den Höhepunkten
des dreijährigen Kollegbesuchs haben Studienreisen nach Berlin
(Bundestagsbesuch), Kiel und London gehört sowie sportliche Begegnungen
mit Kollegmannschaften aus Ilmenau und Schweinfurt.
Die beste Abiturnote erreichte mit 1,1 die 26-jährige gelernte
Bürokauffrau Tatjana Kiewel (Wetzlar), gefolgt von Moritz Eßinger
aus Gießen (1,2) und dem täglich aus dem Wetterau-kreis angereisten
gerlernten KFZ-Mechaniker Timo Baumgratz (1,3). Die Lehrkräfte
des Hessenkollegs erhielten als Dankeschön für ihre Mühen
Riesling-Weißweinflaschen von einer charmanten Winzerstochter
aus dem Rheingau überreicht, die ebenfalls zum Abiturlehrgang 33
gehört.
Zum Programm der Abifeier trug die Theatergruppe des Hessenkollegs unter
Regie von Studienrat Frank Becker bei: Mit einer Schattenspiel-Revue
wurden auf effektvolle Weise Szenen aus dem Schulleben auf die Bühne
geb racht. Abiturient Lars Seifert aus Kölschhausen, ein angehender
Informatikstudent, wartete mit einer humorigen Powerpoint-Präsentation
auf, wo teils skurrile Fotos mit passenden Schlagertexten illustriert
wurden.
Klaus Petri
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