Verabschiedung von Brigitte und Gustav Sauer

 

Selten ist bei der Verabschiedung von verdienten Kolleg-Veteranen so viel geherzt und sich umarmt worden wie am Freitag, dem 29.02.2008 (allein das Datum ist nicht alljährlich!), im Mehrzweckraum des Schulgebäudes. Mit Brigitte und Gustav Sauer wurden allerdings auch zwei besondere „Filet-Stücke“ der inzwischen 45-jährigen Kolleggeschichte geehrt. Neben der Schulleitung, der Schulsekretärin, dem Großteil des Kollegiums und einer Abordnung der Studierenden hatten sich auch viele Ehemalige mit Glückwünschen, Blumen und Geschenken auf den Weg zu ihrer früheren Wirkungsstätte gemacht, um dem verdienten und beliebten Hausmeistergespann Gustav und Brigitte beim Übertritt in den Ruhestand ein ‚feierliches Geleit' zu geben: Wolfgang Gerster, Lühr Grolle, Edda Hilbig, Dietlind Köhnke, Anemone Neef, Irmgard Mende, Helmut Rohrbach, Peter Sauer, Jürgen Sprotte und Dr. Wilhelm Wöllert (alle früher als Lehrkräfte am Kolleg tätig) sowie die ehemaligen Studierenden Heinz Binz ( LG 16),Werner Fuchs (LG 17), Christoph Gehlen und Thomas Luboeinski (LG 19). Zur rund 35-köpfigen Gästeschar zählte auch die langjährige Sekretärin Ursula Götz, die vor zwei Jahren aus dem Beruf ausschied sowie Bernd Lang vom Hessischen Immobilien-Management.

Kollegleiterin Christel Streubel-Piepkorn hob in ihrer Ansprache hervor, dass Gustav und Brigitte Sauer nicht nur klassische Hausmeistertätigkeiten verrichtet haben, sondern für die Wohnheimbewohner den Status von ‚Herbergseltern' inne gehabt hätten: „Ihr ward gerne hier tätig und außer defekten Glühbirnen und Wasserhähnen war manche ‚Herz-Reparatur' zu bewältigen. Viele schätzen euch als Ratgeber. Ihr habt sehr viel für's Kolleg getan und euer Ausscheiden ist ein Verlust für unsere Schule.“ (Die Hausmeisterstelle wird nicht mehr neu besetzt – K.P. -.) Von Gustav Sauer wurde bekannte, dass er auf eine 51-jährige Lebensarbeitszeit zurückblickt – als 14-Jähriger hatte er in Gießen eine Autoschlosserlehre begonnen, an's Hessenkolleg kam er im Jahr 1981. Brigitte hatte ab 1993 eine Teilzeitstelle im Landesdienst. Bernd Lang bedankte sich für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit und wünschte den beiden frischgebackenen Ruheständlern „viele schöne und erholsame Bergwanderungen“. (Herr Lang teilt dieses Hobby mit den Sauers.) Schulsprecherin Melanie Albert und ihr Kommilitone Christopher Opel bedankten sich auf herzliche Art für „das familiäre Klima am Kolleg“, das Brigitte und Gustav maßgeblich mitbestimmt haben: „Wir wurden im Wohnheim von Anfang an mit „Du“ angesprochen, fühlten uns willkommen und fanden in euch zudem ‚Sonderbeauftragte für saubere Wäsche'. Klingelte bisher in der Hausmeisterwohnung als erstes der Wecker, stehen wir neuerdings um kurz vor 8 Uhr vor verschlossenen Klassenräumen.“ Frau Frank und Frau Rücker, beide sind nachmittags für die Reinigung des Schulgebäudes im Einsatz und wurden bislang von Brigitte dabei angeleitet und unterstützt, bedankten sich ebenfalls herzlich für die gute Zusammenarbeit. Gerd Reiner Michalek stellte sich als „Kolleg-Fossil“ (der Älteste nach Dienst- und Lebensjahren unter den Aktiven) vor und wünschte im Namen des Kollegiums den beiden „alles, alles Gute – vor allem die Wiederherstellung von Gustavs Gesundheit“.

Als „schwäbelnde Putzfrau“ verkleidet erinnerte die langjährige Kolleglehrerin (D, E, Theater-AG) Irmgard Mende an die gemeinsam mit Sauers verbrachte „schöne Zeit“. Schmunzeln und Lachen entlockte den Gästen der Hinweis auf's „Häusle von der Frau Streubel-Piepkorn“: Der Plexiglas-Pavillon war als Raucher-Treffpunkt auf dem Schulhof errichtet worden – nicht ahnend, dass kurze Zeit darauf ein allgemeines Rauchverbot auf dem gesamten Schulgelände verfügt wurde: „Jetzt stehet sie all mit'nander auf'm Trottowar un' rauchet.“ Irmgard Mende gewährte auch Einblicke in die Abgründe ihrer Putzfrauenseele: „Wann ich die Ordner mit dene Personalakte seh' – ich tät scho `mal gern nei schaue – aber ich tu's dann nur abstaube.“ Sauers machte sie das Kompliment: „Ihr ward am Institut etwas Besonderes: eine Institut ion – das sin noch drei Buchstabe mehr!“. Als Stätte der Einkehr und des Wohlbefindens wurde Sauers Hausmeisterwohnung erinnert: „Man setzt sich g'mütlich auf die Couch un es gibt Kaffee, e Schnäps'le un` die leck`re Fleischküchle.“ Die waren dann auch Bestandteil des reichhaltigen Buffetts, das fleißige Helferinnen und Helfer am Vormittag für die Gästeschar angerichtet hatten. Als sich alle gestärkt hatten und Trinksprüche auf eine gute Zeit im Ruhestand ausgebracht worden waren, unternahm Klaus Petri (er ist 1983 - zwei Jahre nach Sauers - als 27-jähriger Junglehrer an's Kolleg gekommen) mit 15 Quizfragen eine nostalgische Zeitreise durch 45 Jahre Kolleggeschichte. Unter gelegentlicher Inanspruchnahme des „Publikumsjokers“ konnten Brigitte und Gustav alle Rätsel lösen. Das Kollegium bot schließlich noch ein musikalisches Ständchen dar. Deutschlehrer Alfred Löfflat hatte in bewährter Manier einen Text verfasst und Physiklehrer Hans-Georg Molnar griff dabei (nach der Melodie von „Marmor, Stein und Eisen bricht“) in die (Gitarren-)Saiten.

Die von allen als schön und harmonisch erlebte Abschiedsfeier war damit allerdings noch nicht zu Ende: so jung würde man nicht mehr zusammenkommen – und: es gab noch eine Menge zu erzählen…

Klaus Petri